Nachruf auf Otto Theisen
von Oswin Müller

Am 26.1.2005 verstarb im Alter von 80 Jahren Staatsminister a. D. Dr. Otto Theisen in Trier. Als »Rechtspolitiker mit Leib und Seele, der in Deutschland und Europa Rechtsgeschichte geschrieben hat«, würdigte Christoph Böhr den Verstorbenen.Otto Theisen

Otto Theisen, geboren am 13. Oktober 1924 in Beuren (Landkreis Trier-Saarburg), verbrachte einen Teil seiner Jugend in Rittersdorf (Landkreis Bitburg-Prüm), wo sein Vater als Lehrer tätig war. Die Verbundenheit mit der Eifel blieb ihm sein ganzes Leben erhalten. In Anerkennung seiner Verdienste für seine Heimatgemeinde wurde er zu ihrem Ehrenbürger ernannt. 

Nach der Kriegsgefangenschaft studierte er Jura und ließ sich als Rechtsanwalt in Trier nieder.1959 wurde er Mitglied des Mainzer Landtages und 1967 Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Justizministerium. Von 1971 bis 1979 war er Justizminister und betätigte sich dann erneut als Rechtsanwalt in Trier. Wegen seiner besonderen Verdienste für seinen Berufsstand wurde ihm der Titel »Justizrat« verliehen. Von den verschiedenen Ämtern, die er nebenbei erfüllte, sollte besonders erwähnt werden, dass er 25 Jahre Schatzmeister der CDU Rheinland-Pfalz war. Das Ministerium, die Justiz des Landes und die Rechtspolitik der Bundesrepublik hatten in Theisen einen ideenreichen, aktiven und dynamischen Minister, der vieles in Bewegung brachte, viel Neues schuf oder gestaltete. Da er Landtagsabgeordneter aus Trier war, lag es auf der Hand, dass er die Chancen des Trierer Landes tatkräftig anpackte.

Juristische Fakultät der Universität Trier

Die Erweiterung der Universität Trier-Kaiserslautern durch eine juristische Fakultät in Trier war sein besonderes Anliegen, das er mit Nachdruck und viel Geschick verfolgte.

Sein Ziel erreichte er am 16. Februar 1973, als der damalige Ministerpräsident Kohl anlässlich der Eröffnung der Richterakademie zwei bedeutungsvolle Sätze sprach: »Die Deutsche Richterakademie wird in der nun vor ihr liegenden Zeit in der Zusammenarbeit mit den Universitäten, und hier insbesondere mit den juristischen Fakultäten, ihre Aufgaben zu erfüllen haben. Ich gehe in dieser Stunde auch davon aus, dass wir schon in einer nahen Zukunft die Chance haben, im Zusammenhang mit dem Ausbau der Universität Trier-Kaiserslautern hier einen solchen Ort derartiger Kooperationen erstellen zu können.« Damit war die Einrichtung einer juristischen Fakultät in Trier verkündet. Diese entwickelte sich bald zu einer großartigen und auch national anerkannten Ausbildungsstätte, die von Theisen stets gefördert wurde. In Anerkennung seiner Verdienste verlieh ihm die Universität die Ehrendoktorwürde und veranstaltete anlässlich seines 70. Geburtstags ein wissenschaftliches Symposium.

Richterakademien in Trier

Mit der Eröffnung der Deutschen Richterakademie vollendete Theisen ein weiteres bedeutsames Werk. In der Begrüßungsrede zeigte er den langen Weg dieser von Bund und Ländern gemeinsam getragenen »Einrichtung des Landes Rheinland-Pfalz mit dem Sitz in Trier« auf. Nach vielen Verhandlungen hatte sich die Justizministerkonferenz für Trier entschieden. Theisen sagte zu Recht bei der Eröffnung, dass dies »für die deutsche Justiz, aber auch für den Staat insgesamt und seine Bürger ... ein wichtiger Tag« sei. Parallel zur Errichtung der Deutschen Richterakademie bemühte sich Theisen darum, in Trier eine »Europäische Rechtsakademie« zu schaffen, was ihm mit viel Engagement auch gelang.

Die »Gesellschaft für Rechtspolitik«

1972 gründete Theisen in Trier die »Gesellschaft für Rechtspolitik«, als deren Vorsitzender er auch fungierte. Dieser Verein organisierte die bekannten Bitburger Gespräche, Tagungen, die eine über die Bundesrepublik Deutschland hinausgehende wissenschaftliche Anerkennung genießen. Der Verein wurde in die Stiftung »GesellsOtto Theisen (l.) mit Roman Herzog (r.)chaft für Rechtspolitik« umgewandelt und schloss 2000 mit dem »Institut für Rechtspolitik an der Universität Trier einen Kooperationsvertrag, durch den sich das Institut seitdem unter anderem der wissenschaftlichen Vor- und Nachbereitung der Bitburger Gespräche widmet. Besondere Beziehungen der Stiftung bestehen seit 1998 zu der Katholischen Universität Lublin (Polen), an der einst Papst Johannes Paul II. lehrte. Die bisher durchgeführten wissenschaftlichen Veranstaltungen in Lublin und Warschau bildeten den Beginn einer Zusammenarbeit mit den neuen osteuropäischen Ländern der erweiterten Europäischen Union. Die ehrenvolle Verleihung des Gregoriusordens durch Papst Johannes Paul II. an Theisen kurz vor seinem Tode galt, wie es Bischof Marx formulierte, einer »ermutigenden Persönlichkeit«.
 
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